Entgelttransparenz beginnt nicht beim Gehalt – sondern bei der Funktion. Unsere Erfahrungen auf dem Weg zu einer modernen Job-Architektur.

Entgelttransparenz beginnt nicht beim Gehalt – sondern bei der Funktion. Unsere Erfahrungen auf dem Weg zu einer modernen Job-Architektur.
Mitschnitt-Länge: 30 Minuten
Mitschrift verfügbar

Praxisbericht zur Einführung einer Jobarchitektur: Funktionen klar definieren, Vergütung objektiv bewerten, Wandel transparent gestalten.

Im Mittelpunkt steht die unternehmensweite Einführung einer modernen Jobarchitektur im tarifgebundenen Maschinenbau. Der Praxisbericht liefert einen detaillierten Einblick in die methodische und organisatorische Umsetzung, wobei der Fokus auf der Entwicklung einheitlicher Funktionsbeschreibungen, der Bewertung nach dem Stufenwertverfahren und der nachhaltigen Verankerung des Systems liegt. Die Perspektive eines Head of HR aus einem mittelständischen Industrieunternehmen mit hoher funktionaler Vielfalt ermöglicht einen praxisnahen Zugang zu den Herausforderungen und Lösungsansätzen im Transformationsprozess. Besonderes Augenmerk gilt der aktiven Einbindung aller Stakeholder – von Mitarbeitenden über Führungskräfte bis zum Betriebsrat – sowie der transparenten Kommunikation und der kontinuierlichen Anpassung an unternehmensspezifische Anforderungen.

Die zentrale Erkenntnis: Eine faire und vergleichbare Vergütung basiert auf der präzisen Definition von Funktionen und deren Beitrag zu den Unternehmenszielen, nicht auf individuellen Gehaltsverhandlungen. Die Erstellung standardisierter Funktionsbeschreibungen erfolgt in enger Abstimmung mit den Beschäftigten und bildet die Grundlage für die Bewertung nach dem Stufenwertverfahren gemäß Tarif. Die Implementierung umfasst die Einführung von Entwicklungsstufen, die Möglichkeit temporärer Zulagen und die Veröffentlichung aller Funktionsprofile im Intranet. Herausforderungen wie die Harmonisierung abteilungsübergreifender Aufgaben, der Umgang mit Widerständen und die emotionale Trennung von Person und Funktion werden offen adressiert. Die kontinuierliche Weiterentwicklung des Systems und die konsequente Einbindung des Betriebsrats sichern die Akzeptanz und Nachhaltigkeit der neuen Jobarchitektur.

Entgelttransparenz beginnt nicht beim Gehalt, sondern bei der Funktion – erst wenn wir verstehen, welchen Wertbeitrag jede Rolle zum Unternehmenserfolg leistet, können wir Vergütung fair und transparent gestalten. – Kevin Mechler

Wir haben ein lebendes System geschaffen, das sich ständig anpasst: Funktionsbeschreibungen, Verantwortlichkeiten und Karrierepfade entwickeln wir gemeinsam mit den Mitarbeitenden weiter. – Kevin Mechler

Transparenz und Vergleichbarkeit sind wichtiger als kurzfristige Einsparungen – wir zahlen das, was für die Funktion fair ist, und schaffen so Ehrlichkeit und Akzeptanz im Unternehmen. – Kevin Mechler

  • Eine moderne Jobarchitektur beginnt nicht beim Gehalt, sondern bei der klaren Definition der Funktion und ihres Beitrags zu den Unternehmenszielen.

  • Die Erstellung einheitlicher und transparenter Funktionsbeschreibungen ist essenziell für eine faire und vergleichbare Entgeltbewertung.
  • Die aktive Einbindung von Mitarbeitenden, Führungskräften und Betriebsrat ist entscheidend für die Akzeptanz und Nachhaltigkeit des Systems.
  • Die Überführung von gewachsenen, oft reaktiven Prozessen in ein strukturiertes, nachvollziehbares System erfordert intensive Kommunikation und kontinuierliche Anpassung.
  • Die Bewertung erfolgt ausschließlich auf Basis der Funktion, nicht der individuellen Person, und muss regelmäßig an veränderte Arbeitsrealitäten angepasst werden.

Transparenz in der Entgeltbewertung bleibt im industriellen Mittelstand ein neuralgischer Punkt, an dem sich strategische, kulturelle und operative Zielkonflikte bündeln. Die konsequente Trennung von Funktion und Person adressiert einen blinden Fleck vieler Vergütungssysteme: Die historisch gewachsene Praxis individueller Nachverhandlungen und subjektiver Eingruppierungen unterläuft systematisch das Ziel fairer, vergleichbarer Entlohnung. Die Einführung einer unternehmensspezifischen Jobarchitektur zwingt zur Auseinandersetzung mit tradierten Verantwortungsverschiebungen – etwa wenn Führungskräfte Bewertungsspielräume nutzen oder Mitarbeitende ihre Interessen über Einzelanträge durchsetzen. Im Kern steht die Frage, wie sich ein Unternehmen von reaktiven, intransparenten Prozessen zu einer strukturierten, nachvollziehbaren Systematik transformiert, ohne dabei die Akzeptanz der Belegschaft zu verlieren. Die Herausforderung liegt nicht allein in der methodischen Umsetzung, sondern vor allem im Umgang mit Widerständen, emotionalen Besitzständen und der Notwendigkeit, Rollenbilder und Verantwortlichkeiten neu zu verhandeln.

Für die HR-Verantwortlichen und Betriebsräte ergibt sich daraus ein klarer Reflexionsimpuls: Die nachhaltige Verankerung moderner Vergütungssysteme gelingt nur, wenn alle Stakeholder aktiv eingebunden und die Prinzipien von Transparenz, Vergleichbarkeit und kontinuierlicher Anpassung gelebt werden. Die operative Praxis – etwa die Entwicklung einheitlicher Funktionsbeschreibungen und die Anwendung des Stufenwertverfahrens – wird zum Hebel für strategische Ziele wie Mitarbeiterbindung, interne Mobilität und unternehmerische Steuerungsfähigkeit. Gleichzeitig verschiebt sich die Perspektive: Nicht die kurzfristige Kostenoptimierung, sondern die langfristige Glaubwürdigkeit und Fairness des Systems stehen im Vordergrund. Der Beitrag fordert dazu auf, Jobarchitektur als lebendigen, lernenden Prozess zu begreifen, der kulturelle Barrieren adressiert und die Organisation befähigt, auf Veränderungen flexibel zu reagieren. Damit entsteht ein Rahmen, der sowohl individuelle Entwicklung als auch kollektive Gerechtigkeit fördert und die Grundlage für eine zukunftsfähige HR-Transformation legt.

Der Zugriff auf das Video umfasst eine textuelle Aufarbeitung, die bereits mit einem Freemium-Account zugänglich ist.

Jetzt direkten Zugang freischalten!

Registriere Dich für einen Freemium-Zugang für die Shift/HR Plattform und erhalte direkten Zugang zum Mitschnitt und der Dokumentation.

Darüber hinaus bietet der Freemium-Account folgendes:
  • Zugang zu allen Freemium-Inhalten der Mediathek
  • Drei Credits für Freischaltung von Premium-Inhalten
  • Monatlicher Content-Newsletter mit redaktionell freigeschalteten Premium-Inhalten
  • Zugang zu geschlossener Linkedin-Gruppe
  • Besondere Plattform-Angebote
  • Kostenlos für immer!

Jetzt registieren & Zugang erhalten: