In der Vorbereitung auf die Total Compensation Konferenz am 10. September 2026 haben wir uns in den vergangenen Monaten intensiver mit den Veränderungen rund um Entgelttransparenz, Job-Architektur und Vergütungssteuerung beschäftigt. Vieles davon ist für Compensation- und HR-Verantwortliche natürlich nicht neu. Job Grading, Gehaltsbänder, Marktvergleiche und die Frage nach fairer Vergütung gehören seit Langem zum Handwerkszeug.
Neu ist aus unserer Sicht eher, wie stark diese Themen gerade zusammenrücken.
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie erhöht den konkreten Handlungsdruck. Gleichzeitig verändern sich Job-Strukturen, Karrierewege und Skill-Anforderungen. HR-Systeme sollen mehr als Stammdaten verwalten und Reports liefern. Und bei Vergütungsentscheidungen wächst der Anspruch, nicht nur ein Ergebnis, sondern auch die dahinterliegende Logik nachvollziehbar erklären zu können.
Genau an dieser Stelle haben wir uns in der Konferenzvorbereitung noch einmal gefragt: Was muss unsere Diskussion am 10. September eigentlich leisten, damit wir beim Thema einen Schritt weiterkommen?
Nur noch einmal die regulatorischen Anforderungen zusammenzutragen, wäre uns zu wenig. Gleichzeitig wollen wir das Thema auch nicht künstlich auf eine abstrakte Strategiediskussion heben.
Für uns liegt die interessante Frage dazwischen: Wie verbinden wir die ohnehin notwendige Strukturarbeit mit einer besseren Gestaltung und Steuerung von Vergütung?
Entgelttransparenz, Job-Architektur und Vergütungssteuerung wachsen zusammen
Dass viele Unternehmen noch mitten in dieser Arbeit stecken, zeigt auch die aktuelle Studienlage.
In der Global Pay Transparency Studie 2025/2026 von Mercer geben 77 Prozent der befragten Organisationen an, bereits über eine Strategie zur Entgelttransparenz zu verfügen, diese gerade zu entwickeln oder sich in der Implementierung zu befinden. Vollständig umgesetzt ist der Ansatz aber erst bei 14 Prozent weltweit und bei 9 Prozent der europäischen Organisationen. Rund 90 Prozent nennen regulatorische Anforderungen als maßgeblichen Treiber. (Quelle: Mercer 2026)
Auch die WTW Pay Transparency Survey 2025 hatte gezeigt, dass viele Unternehmen bei der Umsetzung nur begrenzt vorangekommen waren und weiterhin stark auf regulatorische Klarheit warteten. Für Deutschland zeigte WTW zudem, dass regulatorische Anforderungen der wichtigste Treiber für Veränderungen in der Vergütungskommunikation sind und zwei von fünf befragten Unternehmen ihre Vergütungsprogramme noch nicht ausreichend auf die neuen Anforderungen vorbereitet sahen. (Quelle: WTW 2025)
Das ist zunächst ein Compliance-Thema. Es zeigt aus unserer Sicht aber auch etwas anderes: Zwischen dem Wissen um die Anforderungen und einer dauerhaft funktionierenden Vergütungslogik liegt noch einiges an Strukturarbeit.
Bei der Job-Architektur zeigt sich ein ähnliches Bild. Sie ist keineswegs eine neue Erfindung der Entgelttransparenz-Diskussion. In Mercers Global Job Architecture Pulse Survey nutzen 96 Prozent der befragten Organisationen Job-Architektur bereits für Compensation und Benefits. Gleichzeitig sagen nur 42 Prozent, dass ihre bestehende Architektur die Business-Anforderungen vollständig erfüllt und die gewünschten Ergebnisse liefert. (Quelle: Mercer 2026)
Interessant wird es für uns deshalb bei der Frage, was wir mit diesen bestehenden oder gerade neu geordneten Strukturen künftig leisten wollen.
Mercer sieht dafür schon heute eine breitere Nutzung: 66 Prozent verwenden ihre Job-Architektur im Talent Acquisition Management, 55 Prozent im Workforce Planning und 52 Prozent im Learning & Development. 54 Prozent sehen darin eine Grundlage für Karriereentwicklung oder interne Mobilität. (Quelle: Mercer 2026)
Das ist für uns ein wichtiger Anknüpfungspunkt. Job-Architektur ist damit nicht nur Grundlage für Gehaltsbänder und Equal-Pay-Vergleiche. Sie kann zu einer gemeinsamen Struktur werden, über die wir Rollen, Entwicklung, Mobilität und Vergütung miteinander verbinden.
Genau an dieser Stelle beginnt für uns die Gestaltungsfrage.
Von Entgelttransparenz über HRIS bis Pay Governance: Was wir bisher aufgearbeitet haben
In den vergangenen Monaten haben wir verschiedene Teile dieser Entwicklung auf dem Shift/HR Blog aufgegriffen.
Bei „Entgelttransparenz 2026: Trotz fehlendem nationalem Gesetz kein Aufschub“ ging es um die regulatorischen Anforderungen und um die Frage, warum das fehlende deutsche Umsetzungsgesetz die notwendige Vorbereitung nicht ersetzt. Der Beitrag kommt bereits zu dem Schluss, dass Entgelttransparenz nicht als isoliertes Compliance-Projekt verstanden werden sollte, sondern Vergütungslogiken, Rollenmodelle, Datenstrukturen und Entscheidungsprozesse zusammengeführt werden müssen.
Beim Blick auf „Entgelttransparenz und HRIS: Warum Equal Pay ohne belastbare Datenarchitektur nicht funktioniert“ haben wir die Systemfrage weitergeführt: Reicht es, Vergütungsdaten bereitstellen zu können, oder müssen HR-Systeme künftig auch die Logik hinter Rollenbewertungen, Vergleichsgruppen und Vergütungsentscheidungen abbilden können?
Mit „Was ist Job-Architektur - und warum braucht HR sie als strukturelles Fundament?“ kam die nächste Ebene hinzu. Wie schaffen wir eine belastbare Vergleichbarkeit von Rollen und Levels? Und wie lässt sich diese Struktur gleichzeitig für Vergütung, Karrierewege und weitere HR-Prozesse nutzen?
Beim Thema „Pay Governance: Wie HR Vergütungsentscheidungen erklärbar macht“ haben wir schließlich den Blick auf die laufenden Entscheidungen gerichtet. Denn selbst eine saubere Ausgangsstruktur bleibt nicht automatisch sauber. Neueinstellungen, Beförderungen, Marktanpassungen und individuelle Entscheidungen verändern die Vergütungsrealität ständig.
Zuletzt haben wir uns mit „Entgelttransparenz nach der Frist: Was der Software-Markt 2026 wirklich liefert“ angesehen, wie sich diese Anforderungen inzwischen im Lösungsmarkt niederschlagen. Dort zeigt sich eine interessante Verschiebung: Lösungen versuchen zunehmend, Analysen zur Entgeltgleichheit näher an konkrete Vergütungsentscheidungen zu bringen. Sie können aber die vorgelagerte Frage nicht beantworten, nach welcher Job-, Bewertungs- und Vergütungslogik ein Unternehmen überhaupt steuern will.
Ergänzend haben wir in „Compensation & Benefits: Warum wir Vergütung 2026 als System neu aufstellen müssen“ genau diese Integrationsfrage bereits breiter aufgezogen: Gehaltsbänder, Benchmarking, Job-Architektur und Vergütungsanalysen können als einzelne Instrumente existieren, ohne schon ein zusammenhängendes Steuerungssystem zu bilden.
Für uns verdichtet sich daraus weniger eine neue Erkenntnis über einzelne Instrumente als eine offene Integrationsfrage:
Wie bringen wir Job-Architektur, Vergütungslogik, Daten und Governance so zusammen, dass daraus ein belastbares Steuerungssystem wird?
Vergütungsarchitektur als Gestaltungsaufgabe für HR
Diese Diskussion hat für uns noch eine zweite Ebene.
Seit Jahren sprechen wir auf Shift/HR darüber, dass HR stärker gestalten und weniger nur operativ exekutieren soll. Es geht um Workforce-Entwicklung, Skills, Organisationsgestaltung, Employee Experience und darum, die Entwicklung des Unternehmens aktiver mitzugestalten.
Beim Thema Vergütung wird dieser Anspruch nun ziemlich konkret.
Natürlich müssen wir regulatorische Vorgaben umsetzen. Und natürlich braucht es dafür belastbare Daten, Vergleichsgruppen und Nachweise.
Aber wenn wir ohnehin Job-Strukturen überprüfen, Gehaltsbänder neu ordnen und Entscheidungsprozesse hinterfragen, können wir uns auch eine zweite Frage stellen:
Was wollen wir mit dieser Architektur künftig gestalten?
Kann sie Karrierewege verständlicher machen? Kann sie interne Mobilität unterstützen? Hilft sie uns, neue Rollen und benötigte Skills schneller einzuordnen? Kann sie Führungskräften einen besseren Rahmen für Vergütungsentscheidungen geben?
Mercers Job-Architecture-Daten deuten zumindest darauf hin, dass viele Unternehmen genau in diese Richtung denken. Gleichzeitig unterlegen bislang nur 14 Prozent ihre Job-Architektur systematisch mit Skills; 37 Prozent planen Änderungen an ihrer Architektur. (Quelle: Mercer 2026)
Die Entgelttransparenz wäre dann nicht das Ziel dieser Entwicklung. Sie wäre ein konkreter Anlass, vorhandene Strukturen zu überprüfen und gegebenenfalls besser miteinander zu verbinden.
Total Compensation Konferenz 2026: Von Regulierung über Job-Architektur bis Entgeltgleichheit
Mit der Total Compensation Konferenz am 10. September 2026 wollen wir diese verschiedenen Ebenen zusammenbringen.
Zum Auftakt ordnet Dr. Alexander Insam von GÖRG die regulatorische Situation und die konkreten Anforderungen ein. Damit haben wir zunächst eine gemeinsame Grundlage: Was ist rechtlich gefordert und welche Handlungsfelder ergeben sich daraus?
Danach gehen wir in die strukturelle Umsetzung. Katharina Krebs beschäftigt sich mit Job-Architektur und Grading aus methodischer und praktischer Perspektive. Kevin Mechler von der Maschinenfabrik Gustav Eirich ergänzt die Unternehmensperspektive und bringt Erfahrungen aus dem Aufbau einer modernen Job-Architektur ein.
Im weiteren Verlauf schauen wir stärker auf die Systemunterstützung. Personio zeigt in einer Live-Demo, wie Job-Architektur, Gehaltsbänder, Gender-Pay-Gap-Analysen und Compliance-Anforderungen technisch zusammenspielen können.
Dr. Michaela Felisiak und Dr. Dominik Sorber vom FairPay Podcast ergänzen schließlich die Perspektive auf Datenschutz und organisatorische Schnittstellen.
Wir bewegen uns damit bewusst von der regulatorischen Anforderung über die konkrete Gestaltung zur Frage, wie Vergütung dauerhaft gesteuert werden kann.
Und zwischen diesen Impulsen wollen wir zwei Themen noch ausführlicher miteinander diskutieren.
Diskussion 1: Job- und Vergütungsarchitektur zwischen Compliance und strategischer Gestaltung
Bei der ersten Runde wollen wir bewusst einen Schritt über die Umsetzung der Richtlinie hinausgehen.
Denn Job-Architektur und Grading sind keine neuen Themen. Die aktuelle Situation zwingt aber viele Unternehmen dazu, ihre bestehenden Strukturen noch einmal genauer anzusehen. WTW nennt die Entwicklung und aktive Verwaltung einer Stellenarchitektur ausdrücklich als einen der zentralen Vorbereitungsschritte auf mehr Entgelttransparenz. (Quelle: WTW 2025)
Damit eröffnet sich zumindest die Möglichkeit, nicht nur regulatorische Lücken zu schließen, sondern zu prüfen, ob die vorhandene Architektur auch für die nächsten Anforderungen an Organisation und Workforce trägt.
Genau darüber möchten wir diskutieren:
- Ist das, worüber wir heute sprechen, vor allem ein Compliance- und Umsetzungsthema, oder eröffnet die notwendige Neuordnung der Vergütungsstrukturen auch strategische Gestaltungsmöglichkeiten?
- Wo entsteht aus einer klareren Job- und Vergütungsarchitektur konkreter Nutzen über Compliance hinaus, etwa bei Karrierewegen, interner Mobilität, Recruiting oder der Entwicklung benötigter Fähigkeiten?
- Wenn Unternehmen ihre Job-Architektur neu aufsetzen oder grundlegend überarbeiten: Welche Entscheidungen sind am Anfang besonders wichtig, und wo liegen aus Ihrer Erfahrung die größten Stolpersteine?
- Wie viel Veränderungsfähigkeit muss eine Job- und Vergütungsarchitektur künftig mitbringen, wenn sich Rollen, benötigte Skills und Karrierewege schneller verändern?
Wir erwarten dabei nicht das eine richtige Architekturmodell. Dafür sind die Ausgangslagen zu unterschiedlich.
Uns interessiert vielmehr, welche Erfahrungen Unternehmen beim Aufbau machen, welche Entscheidungen sich als besonders folgenreich erweisen und wie weit wir eine Vergütungsarchitektur heute überhaupt schon über Compensation hinausdenken sollten.
Diskussion 2: Entgeltgleichheit dauerhaft in Vergütungsentscheidungen verankern
Die zweite Diskussion setzt an einem anderen Punkt an.
Selbst wenn Job-Architektur, Grading und Gehaltsbänder belastbar aufgebaut sind, bleibt das Vergütungssystem in Bewegung. Neue Mitarbeitende werden eingestellt. Personen wechseln Rollen oder werden befördert. Marktgehälter verändern sich. Einzelne Beschäftigte erhalten Anpassungen. Führungskräfte treffen Entscheidungen innerhalb der vorhandenen Spielräume.
Entgeltgleichheit kann deshalb kaum nur ein Zustand sein, den wir einmal analysieren, korrigieren und anschließend abhaken.
Auch die aktuelle Pay-Transparency-Diskussion bewegt sich stärker in diese Richtung. Mercer nennt neben einer belastbaren Job- und Vergütungsarchitektur vor allem Führungskräfte-Alignment und Governance sowie integrierte Daten und Technologie als zentrale Voraussetzungen für die Umsetzung. (Quelle: Mercer 2026)
WTW verweist ergänzend darauf, dass Unternehmen klare objektive Richtlinien für Einstellungs-, Beförderungs- und Leistungsentscheidungen brauchen und Führungskräfte auf die Kommunikation von Vergütungsthemen vorbereitet werden müssen. (Quelle: WTW 2025)
Der interessante Punkt liegt damit zunehmend bei der Frage, wie Vergütungsentscheidungen im laufenden Betrieb entstehen und gesteuert werden.
Dazu möchten wir vier Fragen diskutieren:
- Ist Entgeltgleichheit eigentlich ein Zustand, den ein Unternehmen irgendwann erreichen kann, oder grundsätzlich eine permanente Managementaufgabe?
- An welchen Stellen entstehen im Unternehmensalltag immer wieder neue Entgeltunterschiede, und wo müssen Unternehmen deshalb besonders genau hinschauen?
- Wie müssen Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozesse organisiert sein, damit Entgeltgleichheit nicht allein Aufgabe von Compensation oder HR bleibt, sondern bei konkreten Vergütungsentscheidungen tatsächlich berücksichtigt wird?
- Wie könnte sich der Umgang mit Entgeltgleichheit in den nächsten Jahren verändern, von nachträglichen Analysen hin zu einer stärker kontinuierlichen Steuerung von Vergütungsentscheidungen?
Auch hier werden wir vermutlich nicht mit einer einfachen Checkliste aus der Diskussion gehen.
Interessant wäre für uns vielmehr herauszuarbeiten, welche Entscheidungen und Verantwortlichkeiten Unternehmen klären müssen, wenn Entgeltgleichheit nicht beim Reporting enden soll.
Von der Entgelttransparenz zur steuerbaren Vergütungsarchitektur
Wenn wir unsere bisherigen Beiträge und die Studienlage zusammennehmen, sehen wir weniger ein Erkenntnisproblem bei den einzelnen Instrumenten.
Die meisten Compensation-Verantwortlichen müssen nicht erst davon überzeugt werden, dass Job-Architektur, Gehaltsbänder, Marktbenchmarks oder Analysen zur Entgeltgleichheit wichtig sind.
Die schwierigere Frage liegt aus unserer Sicht inzwischen in ihrem Zusammenspiel.
Wie belastbar ist die bestehende Job-Architektur noch? Wie verbinden wir sie mit einer dynamischeren Skill- und Workforce-Logik? Welche Entscheidungen können Führungskräfte innerhalb der Vergütungsstruktur treffen? Wo brauchen wir Governance? Und wie nah können Daten und Systeme künftig an die einzelne Entscheidung heranrücken?
Genau dafür möchten wir die Total Compensation Konferenz am 10. September 2026 nutzen.
Die Beiträge sollen wichtige fachliche und praktische Anker setzen. In den Diskussionen wollen wir dann dort weiterarbeiten, wo aus unserer Sicht noch Gestaltungsfragen offen sind.
Wenn daraus einige konkrete Orientierungspunkte entstehen, die den Teilnehmenden helfen, die eigenen Job- und Vergütungsprojekte noch einmal anders zu betrachten oder eine anstehende Entscheidung besser einzuordnen, wäre das für uns ein gutes Ergebnis.
Denn die Entgelttransparenz setzt einen konkreten Handlungsrahmen. Wie wir die notwendige Strukturarbeit für die weitere Entwicklung unserer Vergütungssysteme nutzen, müssen wir selbst gestalten.
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