Carve-out: Wie ein Mittelständler seine HR-Funktion von Grund auf neu aufgebaut hat

Carve-out: Wie ein Mittelständler seine HR-Funktion von Grund auf neu aufgebaut hat
Mitschnitt-Länge: 40 Minuten
Mitschrift verfügbar

Wie ein Mittelständler nach Konzerntrennung seine HR-Struktur neu aufsetzt und dabei Beteiligung, Führung und Klarheit ausbalanciert.

Im Mittelpunkt steht der vollständige Neuaufbau einer HR-Funktion in einem mittelständischen Unternehmen nach einem Carve-Out. Zwei Perspektiven – Geschäftsführung und operative Projektleitung – beleuchten, wie Struktur, Rollen und Regelwerke unter hoher Dynamik und mit begrenzten Ressourcen von Grund auf gestaltet werden. Der Beitrag zeichnet sich durch die Verbindung von strategischer Steuerung und operativer Umsetzung aus und adressiert typische Herausforderungen im Mittelstand: Unsicherheit nach dem Wegfall zentraler Konzernstrukturen, die Notwendigkeit schneller Handlungsfähigkeit und die Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Einbindung der Mitarbeitenden. Die Diskussion verdeutlicht, dass Transformation kein einmaliges Projekt ist, sondern kontinuierliche Anpassung und konsequente Beteiligung erfordert.

Im Praxisbeispiel werden zunächst in einer „Feuerwehrphase“ zentrale Prozesse, Tools und Betriebsvereinbarungen neu aufgesetzt, bevor eine strategische Transformation mit Fokus auf Organigramm, Rollen und Führung folgt. Die Referentinnen benennen drei zentrale Muster: Einbindung ist nicht gleich Akzeptanz, Struktur ist nicht gleich Sicherheit, Kommunikation ist nicht gleich Verständnis. Als Hebel für nachhaltige Veränderung werden Transparenz, phasengerechte Beteiligung, die Rolle der Führungskräfte als Übersetzer und das frühzeitige Adressieren unbequemer Wahrheiten herausgearbeitet. Die Entwicklung eines Leadership Models und die partizipative Erarbeitung von Rollenmodellen stehen im Zentrum der Umsetzung. Abschließend wird deutlich, dass der Aufbau einer HR-Funktion immer mit der Gesamttransformation der Organisation verknüpft ist und klare Verantwortlichkeiten, kontinuierliche Kommunikation sowie das Aushalten von Spannungen zentrale Erfolgsfaktoren darstellen.

Transformation hat kein sauberes Ende – aber sie braucht einen Punkt, an dem wir sagen: Es ist nicht alles fertig, aber es ist tragfähig und wir arbeiten mit dem, was wir haben. – Frauke Bauer

Einbindung ist nicht gleich Akzeptanz: Man kann Menschen an einen Tisch holen, aber ohne echte Beteiligung bleibt die Zustimmung aus. – Katja Grimm

Klarheit geht vor Harmonie – nicht jede Lösung fühlt sich gut an, aber sie muss funktionieren, sonst bleibt Transformation nur Theorie. – Katja Grimm

  • Transformation hört nie auf und braucht kontinuierliche Anpassung von Struktur und Prozessen.

  • Einbindung ist nicht gleich Akzeptanz – Beteiligung muss gezielt und phasengerecht erfolgen.
  • Struktur und Rollenmodelle müssen gemeinsam mit den Betroffenen entwickelt werden, um Akzeptanz und Identifikation zu erreichen.
  • Führungskräfte sind zentrale Übersetzer und benötigen selbst Orientierung, bevor sie Wandel vermitteln können.
  • Klarheit und Transparenz sind wichtiger als Harmonie – unbequeme Wahrheiten müssen früh adressiert werden.

Transformation im Mittelstand offenbart ein zentrales Paradox: Die Forderung nach Beteiligung und Eigenverantwortung kollidiert regelmäßig mit der Angst vor Kontrollverlust und den Konsequenzen echter Mitgestaltung. Der Beitrag legt offen, wie tief verwurzelte Routinen, informelle Machtstrukturen und die Sehnsucht nach Sicherheit den Aufbau neuer HR-Strukturen erschweren. Besonders sichtbar wird das Dilemma, dass Einbindung nicht automatisch Akzeptanz erzeugt und dass formale Strukturen keine individuelle Orientierung garantieren. Die Diskussion um Rollenmodelle und Betriebsvereinbarungen macht deutlich, wie schnell Beteiligungsformate zur Alibi-Veranstaltung werden, wenn sie nicht konsequent auf Augenhöhe und mit echter Ergebnisoffenheit gestaltet sind. Gleichzeitig zeigt sich, dass Führungskräfte in der Transformation eine doppelte Übersetzerrolle einnehmen: Sie müssen selbst Klarheit und Sicherheit gewinnen, bevor sie Wandel glaubwürdig vermitteln können. Die eigentliche Herausforderung liegt weniger im technischen Aufbau von Prozessen oder Regelwerken, sondern in der Überwindung von Denkfehlern wie Verantwortungsverschiebung, Harmoniesucht und der Illusion, Transformation lasse sich mit einmaligen Maßnahmen abschließen.

Für die Praxis liefert der Beitrag mehrere Impulse: Transparenz über Unsicherheiten und Zielkonflikte ist wirksamer als das Streben nach Harmonie. Beteiligung entfaltet erst dann Wirkung, wenn sie phasengerecht und mit klarer Rollenklärung erfolgt. Führungskräfte benötigen keine Standardprogramme, sondern kontinuierliche, individuelle Ansprache und die Möglichkeit, eigene Ambivalenzen zu reflektieren. Die konsequente Kopplung von HR-Transformation und Gesamtorganisationsentwicklung verschiebt den Fokus von kurzfristigen Lösungen hin zu nachhaltigen, kulturell verankerten Veränderungen. Damit fordert der Beitrag die Zielgruppe auf, Transformation als sozialen Prozess zu begreifen, der Spannungen nicht vermeidet, sondern produktiv nutzt. Die strategische Weiterentwicklung von HR im Mittelstand gelingt nur, wenn operative Maßnahmen, kulturelle Reflexion und strukturelle Anpassung als untrennbare Einheit verstanden und gestaltet werden.

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